Ach, sagen Sie mir einen Mann, der nicht mehr will….

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Ihr Lachen bezaubert, entwaffnet und ermutigt, herzlich, stilvoll und zugleich unendlich gelassen. Eine echte Wiener Salon Dame, gibt Einblicke in ihr Leben und ihr Denken. 16 Jahre lang war Lotte Tobisch als Organisatorin des Opernballs im Einsatz und erlebte dabei Demonstrationen, Starrummel und Stornierungen. „Den Opernball habe ich so genommen wie ich sehr vieles und vor allem mich selber nehme: Ernsthaft machen aber nicht ernst nehmen».  Eine aussergewöhnliche Frau und ganz lady like ist sie kein Mensch, der seine Umgebung unentwegt mit seinen eigenen Sorgen belastet….

Denken Sie gerne über sich nach?

Über mich nicht so sehr, ich denke über das Leben und über andere Menschen nach. Wenn sie sich allerdings ein Leben lang mit anderen Menschen beschäftigen, dann kommt man wiederrum auf sich selbst zurück. Man ist ja nicht so viel anders. «Liebe deinen Nächsten wie dich selbst» denn dein Nächster ist wie du.

Gelassenheit, Selbstironie haben diese Tugenden des Alters an Bedeutung gewonnen?

Natürlich bin ich im vorgerückten Alter gelassener und im Umgang mit Menschen nachsichtiger, rücksichtsvoller und vorsichtiger im Urteil geworden. Ein Grund, den ich schon erwähnt habe, liegt darin, dass man sich über die anderen selbst kennengelernt hat. Im Moment gelte ich überall als Vorbild, das bin ich nicht. Ich habe in meinem Leben viele  Fehler und auch Blödsinn gemacht.

Intellektuelle und Denken z.B. Adorno haben ihr Leben begleitet. Wie kamen Sie zu diesen Philosophen.

Es waren Zufälle und es war mir offenbar gegeben, diese beim Schopfe zu packen. Ich hätte nie gedacht, dass eine freundschaftliche Beziehung mit dem grossen Adorno wachsen könnte, von der ich unendlich profitiert habe.

Aber er wollte ja mehr?

Ach, sagen Sie mir einen Mann, der nicht mehr will. Natürlich habe ich ihm gefallen. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass es nicht nur auf die Männer, sondern auch auf die Frauen ankommt.  Adorno hat sehr bald gemerkt, dass da nichts ist, er hat mich interessiert und ich habe ihn interessiert und so hat man sich gefunden. Das wurde dann eine echte Freundschaft, die so weit ging, dass er mir alle seine Kümmernisse anvertraute.

Sie kommen aus gutem Haus und sind mit Personal aufgewachsen, hatten keine finanziellen Sorgen. Haben Sie eine Ahnung wie es Menschen geht, die das nicht haben?

Einerseits bin ich in einem goldenen Käfig aufgewachsen, andererseits habe ich während des Krieges keinen Groschen Geld gehabt und habe das Leben 1945 mit all seiner Brutalität kennengelernt. Mein Fazit: Nimm das Leben wie es ist und nicht wie du es dir vorstellst! Revolutionen können unendlich viel verändern, nur eines nicht – den Menschen. Das sollten wir zur Kenntnis nehmen. Auch, dass wir nicht so grossartig sind wie wir meinen und glauben, auf alles Anrecht zu haben.

Anti aging, aktiv Aging, was denken Sie, wenn man Ihnen sagt, was Sie essen sollen, wie Sie sich bewegen sollen und was Sie denken sollen damit sie gesund alt werden?

Ich benutze seit eh und je Nivea Creme und habe niemals eine Diät gemacht. Der Mensch hat ein Ablaufdatum, wie alles in der Welt, für mich wäre es eine Horrorvorstellung mit «Ersatzteilen» 200 Jahre leben zu müssen. Man hat ein Recht zu leben und ein Recht zu sterben, und ich will sterben. Alles was verordnet und verboten wird, halte ich für völlig falsch, ein gewisses Mass an Erfahrungen soll man den Menschen lassen.

Ihre Beziehung zu Buschbeck war die grosse Liebe Ihrer Lebens und Sie sagen die Fröhlichkeit ist heute noch der Humus dieser Beziehung?

Ach ja, die Fröhlichkeit ist so eine Sache, ganz so fröhlich, wie ich aussehe bin ich nicht. Vielleicht ist es weniger die Fröhlichkeit als eher die Verbundenheit mit dem Leben. Erfahren durfte ich das in einer 11jährigen glücklichen Liebe. Ich bin kein Freund, der seine Umgebung unentwegt mit seinen eigenen Sorgen belastet, die Freuden hingegen teile ich gerne. Aber Leiden, Kümmernisse, meine Bedenken und Traurigkeit gehören mir, das mache ich mit mir aus.

Auch Ihre Einsamkeit?

Ich bin gerne allein aber einsam bin ich eigentlich nicht. Ich habe viele jüngere Leute um mich, die mich gerne um Rat fragen, denen sage ich allerdings, macht es nicht so wie ich, sondern werdet eigenständig und lasst euch nichts einreden.

Ich finde, so lange man kann sollte man etwas tun, vor allem dann, wenn es etwas ist was anderen zugutekommt. Was aber bleibt und wirklich wichtig ist, ist die Liebe.

 

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