Und ewig lockt das Weib

Beautiful and sexy girl in erotic underwear

„Mein Körper ist ein Geschenk und Geschenke gehören schön verpackt!“ So wirbt der schweizerische Unterwäschehersteller Calida mit dem neuesten Slogan in der Vorweihnachtszeit. Auch, wenn Calida ganz und gar nicht das „Nonplusultra“ exquister Unterwäsche ist, sondern eher  etwas langweilig ohne gewisses Etwas daherkommt, so ist doch etwas Wahres an dieser Aussage, ganz besonders für Ladies, die Wert auf edle Stücke – ob drüber oder drunter – legen.

Natürlich ist das Dessous kein notwendiges Requisit einer Beziehung und selbst das verführerischste kann eine gescheiterte Beziehung nicht retten, aus der männlichen Perspektive betrachtet kann es aber einer intakten Beziehung durchaus etwas frischen Wind verleihen. Wenn es da nicht so länderspezifische Eigenheiten gäbe.

Am schwersten tun sich deutsche Frauen, bei denen muss Unterwäsche in weiss, schwarz oder beige insbesondere praktisch und funktionell sein, das bedeutet in etwa so viel wie kochfest und damit fallen die raffinierten französischen Dessous schon mal alle durch, weil diese nur schonende Handwäsche überleben.

Pech für alle Männer, die mit deutschen Frauen verheiratet sind. Denn für jene Frauen ist der Unterwäschekauf eher eine Notwendigkeit und hat weniger mit Leidenschaft oder «man gönnt sich ja sonst nichts» zu tun! Oh là là! Französinnen hingegen kaufen Dessous wie andere Schokolade. Nicht umsonst sind sie in dieser Disziplin Europa-Meisterinnen. Man kann den Franzosen ja manches nachsagen, aber in Sachen Genuss und Sinnlichkeit sind sie anderen Nationen überlegen, und die französische Lingerie ist und bleibt konkurrenzlos.

Paris die Stadt der Liebe, auch wenn damit die falsche oder vielmehr käufliche Liebe gemeint ist, lebt von diesen Reizen. Verführerische Dessous in sämtlichen Ausführungen prägen eine ganze Nation. Und natürlich gilt auch hier das Gebot der Unterscheidung zwischen ordinär und ästhetisch!

Aber es lohnt sich, diese mal von der Nähe anzuschauen. Liebevolle Details, aus Tüll, Spitze, Samt, mit Knöpfchen, Schleifchen, Steinchen, Anhängerchen, verziert, gerafft plissiert geschnürt, aus unterschiedlichen Stoffen zu einem Ganzen zusammengefügt. Eine hohe Schneiderkunst und keine Billigware! Sind sie praktisch? Nein! Schön? Ja!

Vielleicht doch mal ein Grund auf der nächsten Reise ein Geschäft auf der Champs-Élysées aufzusuchen. Ein Grossteil der Französinnen pflegt ihre Weiblichkeit bewusst, indem sie sich mit schönen Dessous gerne auch selbst eine Freude machen. Bei den Herren der Schöpfung, ob sie dieses nun zugeben oder nicht, sind sie jedenfalls beliebt. Das liegt daran, dass Männer stark über die Augen stimuliert werden. Logischer Weise reagieren sie stark auf visuelle Reize und damit, wie der Name schon sagt, auch auf Reizwäsche. Ein Grund, weswegen man an Automessen verführerische oder aufreizende Schönheiten auf die Kühlerhaube setzt. Ich glaube, dies einspricht einer Logik, mit der ausnahmsweise sowohl Männer als auch Frauen etwas anzufangen wissen?

PS: Das wichtigste hätte ich fast vergessen! Eine Untersuchung zeigte, dass Frauen, die immer wieder neue Dessous tragen, im Allgemeinen viel treuere Männer haben als Frauen mit züchtiger Unterwäsche.

Vielleicht wäre das ja ein Weihnachtsgeschenk für Ihre Frau! Es kann auch ein Gutschein eines der traditionellen Dessoushersteller sein. Diese sind in jedem guten Warenhaus vertreten.

Lise Charmel, Marjolaine Lingerie, Maison Close oder Aubade …

Apropos „Calida“ hat vor ein paar Jahren Aubade gekauft, zum Glück hat sich mit dieser Übernahme nichts am Design geändert.

 

Women's bras close-up on desk

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Ein „himmlischer“ Gentleman

Elegant man in a suit with glass of beverage and cigar in vintage room. Fashion.

Fragen Sie sich auch manchmal, wo er geblieben ist, oder was ihn von anderen Männern unterscheidet?

Gehört der Gentleman zur Spezies «englischer Mann», der antiquiert und emotionslos nicht mehr so recht ins 21. Jahrhundert passen möchte? Oder ist er ein Mann von Welt, ein Lebemann, der in massgeschneiderten Anzügen, rahmengenähten Schuhen und mit Louis Vuitton Taschen in 80 Tagen um die Welt jettet? Oder traf König Jakobs II. den Nagel auf den Kopf mit der Bemerkung, die Schaffung eines Gentlemans sei dem Allmächtigen vorbehalten?

Eine einheitliche und allgemeingültige Definition des Gentlemans gibt es nicht, und nein, auch Ihr Seelenheil hängt nicht davon ab, ob Sie als Gentleman eine Art Lebenskunst zelebrieren oder als ungehobelter Kauz durchs Leben stolpern. Nichtsdestotrotz – en vogue ist er wieder. Selbst ein Filmemacher wie Quentin Tarantino favorisiert eindeutig die Haltung des Gentlemans.

War es in der Vergangenheit unumgänglich, einer gesellschaftlichen Schicht anzugehören, in die man hinein geboren wurde und die über das weitere Schicksal bestimmte, haben wir heute zumindest in Europa eine gewisse Wahlmöglichkeit, für die es allen Grund gibt, dankbar zu sein.

Aber machen wir uns nichts vor, elitäre Netzwerke gab es schon immer und wird es immer geben, und auch Kleidung war nie unwesentlich und wird es nie sein. siehe Clip unten

Den Gentleman interessiert aber nur wenig, ob und was gerade in Mode ist. Er degratiert sich auch nicht selbst zur Witzfigur, wie in Guccis menswear präsentiert. Sein gefestigter Charakter, dem infantil mimosenhaftes Verhalten ebenso fremd ist wie überheblich machohaftes Gebaren, ist immun gegenüber plumper Manipulation. So gehört er zu denjenigen, die es nicht nötig haben, jedem Trend hinterher zu laufen. Ihm haftet in seiner Beständigkeit mitunter sogar etwas Langweiliges an.

Selbstverständlich ist es nicht der Weisheit letzter Schluss zu wissen, wann man einen Cut oder Smoking trägt, dass Krawatte und Einstecktuch nicht identisch sein sollte oder «Don’t wear brown after six» – zum «kleinen 1×1» eines echten Gentlemans gehören. Aber ein allseits gern gesehener Gast ist er allemal, manche Dame erhofft sich insgeheim, von einem Wiener Gentleman mit «gnädige Frau» und Handkuss begrüsst zu werden.

Ritterliche Tugenden

Sollten Sie zu den Leuten gehören, die in der Lage sind, Ihren Lebensunterhalt gänzlich ohne Arbeit zu bestreiten und zum Adel gehören, hätten Sie in der Vergangenheit alle Trümpfe in der Hand gehabt. Dies war die Voraussetzung, um die Würde eines Gentlemans zu erlangen. Das ist zum Glück passé. Zumal andere Kriterien einen wahrhaften Gentleman oder zu gut deutsch «Ehrenmann» auszeichnen. Es versteht sich von selbst, dass ein Ehrenmann nicht die «eigene Ehre» sucht. In diesem Zusammenhang sei auf das gentlemanlike Understatement eines Schweizer Luxus-Uhrenhersteller hingewiesen, der von sich sagte: «Ich habe Ruhm und Ehre nie gesucht. » Die bekannte englische Schriftstellerin Jane Austen (1775 – 1817) hatte in ihren Büchern (Filmen) ein besonderes Gespür, die echten von den unechten zu unterscheiden. Nicht die Vornehmheit, sondern die Tugenden adelten ihre Romanfiguren.

Wenn ritterliche Tugenden fehlen, dann gleicht der Gentleman eher einer  „schönen Flasche“ aber ohne Inhalt. Die Vorstellung, dass wahrer Adel nur durch die rechte Gesinnung eines Menschen und nicht durch Geburt erworben werden kann, wurde in der höfischen Literatur thematisiert. Daraus entwickelte sich auf der Grundlage des höfischen Gesellschaftsideals der sogenannte Tugendadel. Der wilde germanische Recke entwickelte sich Ritter. Ein wahrer Ritter musste demnach nicht bloss von seiner gesellschaftlichen Position, sondern primär von seiner Herzenshaltung her adelig sein. Es genügte, wenn seine moralische Gesinnung edel und rein war. Jede einzelne dieser zwölf Tugenden verdient es, erwähnt zu werden:

  • Demut
  • Würde
  • Freundlichkeit
  • seelische Hochstimmung
  • Höflichkeit
  • Tapferkeit
  • maßvolles Leben
  • Großzügigkeit
  • hingebungsvolle Liebe
  • Beständigkeit
  • Treue
  • Anstand

Diesen Tugendkatalog kann man sich natürlich nicht aneignen, wie die Regeln eines Knigge Ratgebers. Eine Erneuerung des «Geistes» und damit der Herzenshaltung ist Voraussetzung, um auch nur ansatzweise diesem «Ideal» folgen zu können. Weltlich betrachtet scheint es hier die Karriereleiter nicht nach oben, sondern nach unten zu gehen. Der schnelle Gewinn bleibt aus und obendrein kann eine solche Charakterschulung sehr, sehr lange dauern.  Dennoch lohnt es sich, diese Reise auf sich zu nehmen.

Hat sich der tapfere Gentleman in den Rittertugenden bewährt, darf auch mal getrost über stilistische Unkorrektheiten hinweggesehen werden. Ob die Krawattenspitze exakt einen Zentimeter unter dem Hosenbund beziehungsweise Gürtel endet, die falschen Schuhe zu feinem Anzug oder groben Tweed getragen werden oder die allzu farbigen Socken im Wettstreit zu den vollendeten Manieren stehen, ist dann sekundär. Zumal eine Lady manches übersehen, aber alles überblicken wird!

Die lange Version des  Artikels erschien zuerst bei The Cathwalk.

PS Kleider machen Leute….

 

Skandal in der Loge

3.3.2011, Wiener Opernball Eröffnung

Vielleicht fühlt sich manch‘ junge Frau in die Zeit zurückversetzt, als sie noch «Barbie» spielte, mit Begeisterung «Cinderella» oder später «Plötzlich Prinzessin» schaute. Alle, die über 15 sind, teilweise von Enttäuschungen geprägt, wissen inzwischen, dass dieser Mädchentraum leider nicht so ganz der Realität entspricht, obwohl die Sehnsucht nach einer heilen Welt, in der man geliebt wird und Liebe weitergeben kann, natürlich noch immer besteht.

Die grössten Chancen, diesen Traum wenigstens ein Stück weit zu verwirklichen, haben «Ladies», wenn sie gewisse Regeln befolgen. Denn im Gegensatz zur Frau wird man nicht als Lady geboren. Auch der Wiener Opernball, an dem ich selbst schon Walzer tanzte, macht aus Frauen keine Ladies. Aber Ladies sind auf solchen Bällen ein besonderer Blickfang. Sie strahlen eine natürliche Würde aus, die sich im Glanz des wunderschönen Ballsaales erst richtig entfaltet, besonders dann, wenn sie das Glück haben, von einem echten Gentleman begleitet zu sein.

Nicht die Grösse des Portemonnaies entscheidet über Sein oder Nichtsein eines Gentleman oder einer Lady, auch ein 20.000 Euro teures Ballkleid macht eine Frau noch lange nicht zur Lady, und ein Dekolleté, welches Einblicke gewährt, als handle es sich um ein Fotoshooting für den Playboy, ist einer Lady schlicht unwürdig.

Oftmals entpuppt es sich als Trauerspiel, in das sich manche junge Frau hineinmanövriert und das Image, eine Bitch zu sein, nicht mehr los wird. So ziert der Baulöwe Richard Lugner (84) inzwischen mit der fünften Ehe-Frau (26) an seiner Seite alljährlich den Opernball, bei denen die Frauen immer jünger, die Ausschnitte immer grösser und die Auftritte immer peinlicher werden.

Aber es gibt sie – die Ladies – die ehemaligen Organisatorinnen des Opernballs die Grand Old Lady Lotte Tobisch-Labotyn

, der Inbegriff der Wiener Salon Dame und die Besitzerin des berühmten Hotels Sacher, Elisabeth Gürtler, scheinen einen besseren Weg gewählt zu haben. Elisaneth Gürtler erinnert ein wenig an Margaret Thatcher, nicht umsonst sind die beiden ehrgeizigen und selbstbewussten Frauen mit dem gleichen Titel «eiserne Lady» gekrönt worden. Solchen Frauen kann selbst das Alter nichts anhaben, sie sind und bleiben Ladies und als solche auch in Erinnerung.

Herzogin Catherine konnte sich Dank Königin Elisabeth II., welche auch schon zu Gast im Hotel Sacher war,  zumindest äusserlich zur Lady entwickeln, nachdem ihr die persönliche Stilberaterin der Königin zur Seite gestellt wurde. Sie soll dafür sorgen, dass Herzogin Catherine künftig angemessen auftritt.

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Charakterliche Tugenden begleiten eine echte Lady genauso wie ihre Kleidung, deshalb soll beides in diesem Blog nicht zu kurz kommen. Ja, ein hohes Ideal, dem es nachzueifern lohnt, denn eine Lady hat Stil, Würde, Mitgefühl und ein gesundes Selbstwertgefühl.